|
|
|||||||||
|
|
|
Erstmals 1414, als Markgraf Friedrich (von Meißen) befohlen hatte, für die Mannschaften der vier Stadtviertel je ein Banner anfertigen zu lassen, wird in Chemnitz von einer "Schützenkorporation" geschrieben. Doch schon 1434 reisten Chemnitzer Schützen an einen derzeit noch unbekannten Ort, um an einem Landesschießen teilzunehmen, zu welchem die Stadt mit 20 anderen Städten ein "Kleinod" gebildet hatten. Die alten Chemnitzer Schützen müssen in gutem Ruf gestanden haben: so verfügte 1526 Kurfürst Albrecht "der Bärtige" ausdrücklich, dass die Chemnitzer Schützen zu einem Leipziger Landesschießen mit einzuladen waren. Der gleiche Fürst definierte einige seiner Städte so: "Leipzig, meine schöne; Freiberg, meine reiche; Chemnitz, meine feste Stadt". Wobei er "fest" im Sinne von Wehrhaftigkeit gebrauchte. Seit 1794 tragen die Mitglieder der Chemnitzer Büchsenschützengesellschaft eine einheitliche Kleidung. Sie wurde im Laufe der Jahre wiederholt in Farbe und Schnitt geändert. Während und nach den Napoleonischen Kriegen mussten die Chemnitzer Büchsenschützen in der Stadt mehrere Jahre Dienste der in Russland untergegangenen Grenadiere des Chemnitzer Regimentes "Prinz Maximilian" (1500 zogen im Frühsommer 1812 aus, 50(!) kehrten im Winter 1812/13 zurück) leisten. 1817 wird per Dekret des aus seiner Kriegshaft zurückgekehrten Königs Friedrich August I. die Chemnitzer Scheibenschützengesellschaft in das Verzeichnis der "Privilegierten Schützengesellschaften" aufgenommen. Sie nennt sich nun "Privilegierte Scheibenschützengesellschaft Chemnitz". In Gotha (Thüringen) wird 1861 der "Deutsche Schützenbund" gegründet und in Zwickau 1892 der "Wettin-Schützenbund". Die "Privilegierte Scheibenschützengesellschaft Chemnitz" richtet mehrfach Landes-, Bundesschießen sowie Schützentage des Mitteldeutschen- und des Wettin-Schützenbundes aus. Bei den Schützen, auch den "Privilegierten", gewinnt der sportliche Aspekt des Schießens an Boden. Alljährlich, zu Pfingsten, zog seit ewiger Zeit das Schützenfest der "Privilegierten" die ganze Stadt in ihren Bann. Es war schon ein Ereignis, wenn Musikcorps der Schützen den Weckruf absolvierten, danach mit der uniformierten Schützenkompanie den Schützenkönig des Vorjahres abholte und zum Schützenplatz geleiteten. Die Schützenfeste waren wahrhafte Volksfeste mit Karussells, Schaubuden und vielerlei Belustigung. Sie beginnen es heute durch die Tätigkeit der "Arbeitsgemeinschaft Stadtschützenfest Chemnitz", in welcher auch unser Verein maßgeblich mitarbeitet, wieder zu werden. Das letzte 1876 in Betrieb gegangene Schützenhaus der alten Chemnitzer Schützen steht noch heute. Auf dem Areal des Schützenplatzes und der ehemaligen Schießbahnen, ein Teil davon für Distanzen von 300 m, steht heute ein Garagenkomplex. Die "Privilegierten" schossen nach 1918/19 auch mit den kleineren Kalibern und bildeten eine Jugendabteilung. Es sind Äußerungen nachzulesen, dass man befürchtete, das kleinkalibrige Schießen (LG und KK) könne dem Schießen mit ordentlichen Waffen Abbruch tun. Es stellte sich als Argwohn heraus! Von den heute (2001) 19 bei der zuständigen Behörde unserer Stadt registrierten Schützengemeinschaften hat unser Verein das Druckluft- und KK-Schießen, auch mit Jugendlichen, in seinem Programm. Wir, der SV Chemnitz 1990, jedenfalls bedauern, dass sich nur zu wenige Jugendliche (auch Ältere) mit Druckluftwaffen die Grundkenntnisse sportlichen Schießens erwerben, um später mit KK und größeren Kalibern hohe und Höchstleistungen anzuvisieren. Die schon vor 1933 bestehenden drei deutschen Schützenverbände waren 1935/1936 gezwungen worden sich aufzulösen, ihre Rechte dem faschistischen "Deutschen Schützenverband" - dieser war, als "Fachamt Schießen", Bestandteil des NSRL - zu übertragen. Die "Privilegierten" waren zu einer faschistischen Gliederung gezwungen worden. Ob sie nun in und außerhalb des Vereins der faschistischen Ideologie unterlagen, sie auch praktizierten, konnte nicht ermittelt werden. Ab Herbst 1939 ruhte jeglicher sportlicher Schießbetrieb in Chemnitz, auch bei den "Privilegierten". Tief steckte 1945, nach Ende des II. Weltkrieges, in den Völkern die Furcht vor dem erneuten raschen Wiederaufleben preußisch-deutscher, militaristischer und kriegerischer Traditionen, so dass zunächst auch die Tätigkeit langjährig vor 1933 bestehender, traditioneller Organisationen verboten wurde. Anfang der 50er Jahre konnten wir in Chemnitz auch wieder den Schießsport betreiben. Leider wurde dann bald sehr streng nach Leistungs- und Breitensport differenziert. So blieben auch in unserer Stadt viele Talente und erhaltenswerte Traditionen sportlichen Schießens auf der Strecke. Trotz den, Schützen des "Breitensportes" aus unserer Stadt (aus dem Fritz-Heckert-Kombinat und der Generaldirektion SDAG Wismut) waren bei vielen Meisterschaften und Pokalwettkämpfen auf vorderen Plätzen. |